Mein Weg – von der Schule zur Selbstständigkeit
Bild von Peter H auf Pixabay

Mein Weg – von der Schule zur Selbstständigkeit

Mir ist die Idee eine Selbstständigkeit aufzubauen nicht einfach über Nacht gekommen und schon gar nicht bin ich einfach von heute auf morgen aus dem Angestelltenverhältnis gegangen. Die Entscheidung war viel mehr ein Prozess, der bei mir schon recht früh begonnen hat, später jedoch durch den Fokus auf eine klassische Ausbildung abgenommen und im Nachhinein wiederaufgekommen ist.

Ich versuche dir im folgenden einen kurzen Einblick in den ganzen Prozess zu geben. Falls dir der Text zu lang sein sollte, habe ich dir unten eine Zusammenfassung als TLDR (too long, didn’t read) zusammengestellt. Somit hast du die wichtigsten Infos beisammen.

In der Schulzeit merkte ich bereits, dass ich selbstständig etwas Eigenes aufbauen kann

Der Wunsch nach einer Selbstständigkeit wächst meist nicht einfach von einem zum nächsten Tag in einem. Mich beschäftigt die Idee bereits seit etwa 2011. Zu der Zeit befand ich mich gerade in der Abitur-Phase und ich hatte bereits meinen Arbeitsvertrag unterschrieben. Im Unterricht und in schulischen Projekten beschäftigte ich mich immer wieder mit aktuellen Aufgaben und Herausforderungen. Eine entscheidende Frage war: „Wie gewinne ich eine höhere Reichweite von Elektrofahrzeugen durch Rückspeisung aus der Fahrdynamik mittels elektro-magnetischen Eigenschaften?“ Hierzu hatten wir eine Idee, welche wir nicht weiterverfolgten. Später entdeckte ich die gleiche Lösung in einem Magazin – entwickelt und vermarktet von einem Weltunternehmen. In mir begann die Idee nach einer Selbstständigkeit zu wachsen, da ich erkannte, dass wir mit unserer Idee auf dem richtigen Weg waren. Leider hatten wir es nie in die Umsetzungsphase geschafft, sodass diese Idee nur eine Idee blieb.

Zuerst legte ich den Fokus auf die klassische Ausbildung

Durch meinen beruflichen Werdegang setzte ich den Fokus auf meine innerbetriebliche Karriere. Ich schloss meine Berufsausbildung und mein Studium mit sehr guten Ergebnissen ab, in der Firma wechselte ich die Abteilung und begann Werkzeugmaschinen in Betrieb zu nehmen. Schnell merkte ich, dass die Welt der Werkzeugmaschinen eine sehr konservative ist. Werkzeugmaschinen werden in hoch-automatisierten Prozessen in großen Produktionen eingesetzt – beispielsweise in der Automobilindustrie. Hier zählt jeder Cent und solange eine Maschine produziert, wird an dieser nichts geändert. Um meinem innovativen Charakter gerecht zu werden, wurde ich in eine Arbeitsgruppe zur Digitalisierung eingesetzt. 2017 kamen keine Anfragen herein, sodass ich das Wissen nie umsetzen konnte.

Werkzeugmaschine bei Inbetriebnahme
Arbeitsplatz an einer Werkzeugmaschine während Inbetriebnahme by Nico Stahlhut

Ich entschied das Unternehmen zu wechseln. 2018 begann ich meine Anstellung als technischer Trainer und unterrichtete seitdem Firmenkunden im Umgang mit unserer Technik. In den Schulungen konnte ich stundenlang mit den Kunden arbeiten. Beruflich war ich also voll auf Kurs.

Die ersten Berührungspunkte mit strategischer Arbeit, Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum

In meiner Freizeit beschäftigte ich mich verstärkt mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum. Sofort kamen die Erinnerungen aus der Schulzeit und dem Studium hoch. Ich wollte mehr.

Anfang 2018 habe ich den Onlinekurs „Squared Online“ begonnen. In diesem Kurs geht es um die strategische Entwicklung von Unternehmen sowie den strategischen Einsatz von digitalen Marketingtools sowie neue digitale Arbeitsweisen. Den Kurs habe ich im August 2018 abgeschlossen und fand die Idee mich im digitalen Marketing auszuprobieren interessant. Jedoch wollte ich mich auch persönlich weiterentwickeln und so entschied ich mich im Dezember 2018 für ein Coaching im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Ebenfalls meldete ich mich beim Leanlab der Hochschule Hannover an. Die Persönlichkeitsentwicklung legte den Grundstein für alles Folgende, während das Leanlab mir aufzeigte, was mir wirklich fehlt: Eine Umgebung, in der ich meine innovativen und unternehmerischen Eigenschaften frei ausleben darf. Nach dem Leanlab habe ich die Idee einer eigenen Selbstständigkeit über Weihnachten und Neujahr weiter auf mich wirken lassen. Im Januar 2019 trug ich meinen Wunsch nebenberuflich etwas Eigenes aufbauen zu dürfen ins Unternehmen.

Erste Zweifel an meiner Selbstständigkeit und das nächste Coaching

Nach dem „Outing“ wurde der Weg zunehmend steiniger. Auf einmal waren meine persönlichen Interessen nicht mehr im Einklang mit denen des Unternehmens, für das ich tätig war. Ich hatte jedoch das Glück Gespräche mit meinem Vorgesetzten sowie der Geschäftsleitung über meine Idee zu führen. Für diese Gespräche bin ich heute sehr dankbar, auch wenn sie mir in den Momenten nicht leicht fielen und mich vor scheinbar unlösbaren Problemen und schwierige Entscheidungen stellten.

Beispielsweise merkte ich in den Gesprächen, dass die Thematik digitales Marketing in der jetzigen Situation für mich nicht die richtige Thematik ist. Im Coaching lief auch nicht mehr alles rund und ich hatte das Gefühl mich im Kreis zu drehen. Hier entschloss ich mich für einen Wechsel des Coaches und somit zu einem Wechsel von einem 1:1-Coaching hin zu einem Gruppencoaching. Im neuen Coaching, der „Isle of Mind Academy“, ging es darum seine Herzensbusiness-Idee zu finden. Durch die neuen Methoden, das positive Umfeld sowie der guten Harmonie zwischen dem Coach und mir konnte ich mich sehr schnell weiterentwickeln, sodass ich im Oktober / November 2019 zu dem Entschluss gekommen bin: „Ich mache mich selbstständig.“

Gründe für das Timing des Ausstiegs

Die Gründe für die Entscheidung gegen eine vermeintliche sichere Anstellung hin zur eigenen Selbstständigkeit sind recht vielfältig. Einige grundlegende Eigenschaften liegen in meinen persönlichen Charakterzügen, einige Gründe sind sicherlich in meiner vergangenen Vereinsarbeit zu finden, vieles ist mir durch die harte, intensive Arbeit durch mehrere Coachings und „Inner-Work“ von mir selbst bewusster geworden, doch wirklich ausschlaggebend für den Zeitpunkt war meine momentane Lebenssituation. Ich bin gut und vor allem fertig ausgebildet und vermutlich finde ich so bei einem Scheitern schnell wieder einen Job als Angestellter. Des Weiteren habe ich keine finanziellen Verpflichtungen wie Schulden, Eigenheim, Autos oder ähnliches. Darüber hinaus habe ich keine sozialen Verpflichtungen wie Familie. Die zuletzt genannten Punkte haben mir gezeigt, dass ich derzeit in einer komfortablen Situation bin und mich davon überzeugt jetzt einen Ausstieg zu wagen. So habe ich meine Kündigung für den 31.12.2019 eingereicht und mich arbeitssuchend gemeldet.

Meine Situation seit dem Ausstieg

Seit dem 01.01.2020 bin ich offiziell arbeitslos und suche nach einer geeigneten Selbstständigkeit. Der 01.01.2020 ist für mich nicht der perfekte Start gewesen. Die ersten Wochen waren wie ein ganz normaler Neujahresurlaub. Alle Freunde, meine Familie und meine Freundin waren zuhause und so fühlte sich die erste Zeit nicht ernst genug für mich an. Danach kam der Struggle mit dem Arbeitsamt: Stellenangebote, Sperrzeit, kein Gründungszuschuss und noch einiges mehr.

Ich habe diese Herausforderungen bisher gut gemeistert und bin damit derzeit zufrieden. Ebenfalls konnte ich die Zeit nutzen, um die privaten Sachen aufzuarbeiten, die sicherlich jeder von uns vor sich herschiebt: Steuern, Versicherungen, Finanzen. Letztlich wurde ich von Tag zu Tag kreativer und habe mein Whiteboard nun voller Ideen. Das Problem dabei ist nur, dass die Themen unterschiedlicher nicht sein könnten. Das ist für mich auch der Grund, warum ich noch keine Performance hinlege. Mein kleiner Perfektionist bremst mich aus – dabei müsste ich nur langsam anfangen und einen Schritt nach dem anderen gehen.

Im Februar habe ich eine 1:1-Coaching-Stunde mit meinem letzten Coach genutzt, um den Kern aller Ideen zu finden. Ich habe für mich herausgearbeitet, dass ich nachhaltige Unternehmen bei ihren Weg in die Digitalisierung als Coach unterstützen möchte. Hier stecken drei Kernelemente für mich drin:

  1. In meinen Ideen schwingt immer die Digitalisierung (Homepage, eCommerce, Prozessdigitalisierung inkl. Verbesserung, Möglichkeiten von modern Work) mit.
  2. Das Thema Potentialentfaltung/ -entwicklung von Anderen ist, seitdem ich mich mit der Selbstständigkeit beschäftige, ständig präsent.
  3. Wir müssen das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Fokus nehmen. Wir dürfen die Welt nicht weiter ausbeuten.

Fazit

Die Entscheidung aus dem Angestelltenverhältnis herauszugehen war nicht leicht. Die Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin, haben mir das Angestelltenverhältnis als sicheren und durchaus einzig machbaren Weg aufgezeigt. Durch ständige und harte innere Arbeit an mir, meiner Persönlichkeit, meinen Wünschen, Ängsten, Hoffnungen und Glauben konnte ich einige Gedankenmuster durchbrechen. Mein analytisches Vorgehen hat mir dann aufgezeigt, dass ich nur 2 mögliche Zeitpunkte im Lebe habe ernsthaft über einen Ausstieg aus dem Angestelltenverhältnis hin zu einem selbstständigen Arbeitsleben nachzudenken. Der erste Zeitpunkt ist jetzt, nach der Ausbildung ohne finanzielle und soziale Verpflichtungen, sowie wenn die Familie stabil und vor allem künftige Kinder aus dem „Gröbsten“ heraus sind.

Die Herausforderungen, die nach meiner Entscheidung auf mich zukamen waren nicht immer einfach, aber ich habe sie bisher gut gemeistert. Nun geht es darum mich auf meine persönlichen Vorlieben zu konzentrieren und mein eigenes Business aufzubauen.

TLDR

  • Ich habe meinen Job gekündigt, um mich selbstständig zu machen
  • Der Weg dorthin hat viel mit Mindset- und Persönlichkeitsarbeit zu tun gehabt
  • Meine Interessensgebiete sind super weit gestreut
  • Meine Businessidee ist es nachhaltige Unternehmen bei ihrem Weg in die Digitalisierung als Coach zu unterstützen

Schreibe einen Kommentar