Digitalisierung menschlich gestalten – aber warum?
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Digitalisierung menschlich gestalten – aber warum?

Bereits im letzten Artikel berichtete ich über die derzeitige historische Chance, unsere Wirtschaft nachhaltig zu verändern. Dabei fokussieren sich alle Industrieländer auf die weitere Digitalisierung aller Lebensbereiche. Durch den gesellschaftlichen, medialen und wirtschaftlichen Druck stehen so viele Unternehmen wie noch nie an der Schwelle zur Digitalisierung und müssen handeln. Diese Situation birgt jedoch nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Sollte die Digitalisierung zu schnell und ohne Rücksicht auf menschliche Bedürfnisse stattfinden, laufen viele Unternehmen Gefahr wichtiges Know-How und wichtige Mitarbeiter zu verlieren. Deshalb ist es so wichtig wie nie zuvor die Digitalisierung menschlich zu gestalten.

Warum Digitalisierung und Innovation wichtig ist

Es stellt sich die Frage, warum gerade jetzt so viele Unternehmen die Digitalisierung vorantreiben wollen. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen ist das Thema seit der letzten Wirtschaftskrise als Trendthema in allen Branchen präsent, zum anderen sind die grundlegenden Technologien vorhanden. Der Ausbau der Technologien und dessen Einsatz in bestehende Prozesse erfolgt nun schrittweise. Zudem wurde in der jüngsten Vergangenheit die Infrastruktur weiter ausgebaut, Mitarbeiter ausgebildet und die Digital Natives der Generation Y und Generation Z sind „erwachsen“ geworden. Sie übernehmen immer mehr Verantwortung im Unternehmen, während ältere Generationen aus dem aktiven Arbeitsleben ausscheiden und so Führungspositionen freigeben. Hierdurch gewinnt die Digitalisierung weiter an Dynamik, denn die Digital Natives sind es gewohnt, sich mit der digitalen Entwicklung zu beschäftigen.

In Industrieländern bildet die Digitalisierung das Fundament für weitere Innovationen. Hierin liegt das Potential das Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu entwickeln, die Marktposition zu festigen und weiter auszubauen. Dabei ist es wichtig, dass Digitalisierung und Innovation die bestehenden Prozesse vereinfacht und optimiert oder durch einen ganzheitlich neuen Ansatz ablöst. Ohne Optimierungsmöglichkeit bestehender Prozesse ist von einer digitalen Entwicklung abzuraten. Ebenfalls ist die rein wirtschaftliche Betrachtung bei der Umsetzung falsch. Eine ganzheitliche Betrachtung, vom möglichen Optimierungspotential über Wirtschaftlichkeit und der internen sowie externen Kommunikation des Vorhabens, sind für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend.

Menschliche Gestaltung der internen Digitalisierung sinnvoll

Grundsätzlich lässt sich die bisherige Digitalisierung von Unternehmen in interne und externe Digitalisierung gliedern. Die interne Digitalisierung legt den Fokus auf interne Prozessoptimierung und Produktivitätssteigerungen. Beispiele für bereits umgesetzte interne Digitalisierung sind das papierlose Büro, computergestützte Entwicklung und Design, virtuelle Meetings und Konferenzen, Webinare, Webtrainings, elektronische Zutrittskontrollen, elektronische Zeiterfassung und rechnergestützte Material- / Produktnachverfolgung.

Durch die Optimierung interner Abläufe erfolgt oftmals eine Reduzierung der Arbeitsplatzkapazitäten. Aber genau hier entsteht ein Unwohlsein bei den Mitarbeitern. Viele Mitarbeiter können die Folgen der Digitalisierung auf ihren Arbeitsplatz nicht abschätzen und fühlen sich oftmals mit ihren Fragen allein gelassen. Um eine Abwanderung der Mitarbeiter, ob durch Arbeitsplatzverlust oder Eigenkündigung, und somit eine Abwanderung von Know-How zu verhindern, ist es bei interner Digitalisierung besonders wichtig, alle geplanten Aktivitäten und berufliche Alternativen jedes betroffenen Mitarbeiters richtig zu kommunizieren. Eine offene, ehrliche und geplante Kommunikation ist dabei von entscheidender Bedeutung. Nur so kann das Know-How, welches für einen weiteren Innovationsschritt benötigt wird, gehalten werden.

Externe Digitalisierung

Bei der externen Digitalisierung handelt es sich um die Herausforderungen für die Schnittstellen zwischen Unternehmen und dessen Umwelt. Im Gegensatz zur internen Digitalisierung steht hier nicht die Produktivitätssteigerung im Vordergrund, sondern die vielfältigen Möglichkeiten mit der Peripherie des Unternehmens zu kommunizieren. Hiervon sind hauptsächlich die Abteilungen Marketing und Vertrieb betroffen. Des Weiteren ist hierunter die Kommunikation zu Kunden und Dienstleistern zu verstehen.

Viele Entwicklungen entstehen oftmals im privaten Sektor und werden später im geschäftlichen Kontext übernommen. Während die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden früher ausschließlich über Brief, Telefon oder persönlichen Gespräch und die Werbung über Printmedien erfolgte, bedienen Unternehmen heutzutage mehrere digitale Kanäle zeitgleich. Dabei ist Unternehmenskommunikation in Jobportalen, in sozialen Medien innerhalb sowie außerhalb des Business-Kontextes, und in Videoportalen zu nennen. Darüber hinaus gehören Ad-Kampagnen bei Suchmaschinen und eShops zum heutigen Standard. Weitere Technologien die bald folgen werden, sind: primitive bis komplexe, durch künstliche Intelligenz realisierte, Chatbots, virtuell Reality, augmented Reality.

Die genannten Transformationen erschweren die Aufgaben des Marketings sowie des Vertriebes erheblich. Neben den bisherigen Aufgaben sind die digitalen Kanäle zu bedienen und die privaten Profile sowie Kontakte vermischen sich mit geschäftlichen. Durch weitere Digitalisierung erhöht sich die Belastung der Abteilungen, die mit äußerer Digitalisierung agiert. Hier drohen Überlastung und damit Arbeitsausfälle.

Bei der Digitalisierung den Mensch nicht vergessen

Egal in welchem Bereich ein Mitarbeiter tätig ist, er kommt früher oder später mit dem Thema Digitalisierung in Kontakt. Vor allem Mitarbeiter der älteren Generationen haben Berührungsängste und stehen der Veränderung skeptisch gegenüber. Aber auch Mitarbeiter der Generationen Y und Z haben, trotz weniger Berührungsängste mit der Digitalisierung, Verlustängste oder leiden an Überforderung. Dies entsteht meist durch falsch eingesetzte Digitalisierung und falscher Kommunikation der Maßnahmen.

Um die Probleme mit falsch eingesetzter Digitalisierung und falscher Kommunikation entgegenzuwirken, ist es wichtig den richtigen Umgang mit der Transformation zu erlernen und die menschliche Komponente nicht zu vergessen. Bei der menschlichen Komponente ist es wichtig die Kosten und Nutzen im Auge zu haben, die die Transformation hervorruft. Dabei gilt es, sich nicht ausschließlich auf kurzfristige, sondern ebenfalls auf langfristige Folgen zu konzentrieren. Sollte die Gefahr bestehen, durch die Maßnahme Know-How zu verlieren, ist dieses zuvor zu sichern. Eventuell leidet die Mitarbeiterzufriedenheit durch die geplante Maßnahme, da die Mitarbeiter den Sinn dahinter nicht verstehen oder die Maßnahme schlecht kommuniziert wurde. Dies kann jedoch durch eine geplante Kommunikation minimiert werden. Möglicherweise ist das Ziel Arbeitsplätze oder -kräfte zu erhalten. Eine Alternative zur Rationalisierung kann die Schaffung höherwertiger Arbeitsplätze sein aber eventuell gibt es weitere Alternativen zur geplanten Maßnahme, sodass Arbeitsplätze gerettet werden können. Alle Maßnahme sollen stets sozial verträglich sein.

Experte der digitalen Transformation – der Digital Leader

Eine Möglichkeit für die Transformation gut gewappnet zu sein, ist, einen Digital Leader einzustellen. Digital Leadership beschreibt die Art der Führung in Zeiten der Digitalisierung und während der Zeit der Transformation (https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Leadership). Darüber hinaus bringt ein Digital Leader neue Führungskompetenzen ins Unternehmen und kann digitale Trends erkennen und analysieren.

Fazit

Die Digitalisierung greift immer schneller um sich. Dabei werden interne und externe Verhaltensweisen von Unternehmen grundlegend verändert. Für viele Unternehmen stellt das eine Chance dar. Für andere Unternehmen wird der Schritt zur Digitalisierung zur Stolperfalle. Eine zu schnell, zu ineffektive oder falsch kommunizierte Digitalisierung kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Mitarbeiter fühlen sich unwohl und verlassen das Unternehmen. Mit den scheidenden Mitarbeitern geht auch wichtiges Know-How verloren, welches für den nächsten Innovationsprozess benötigt wird.

Eine Transformation kann nur gelingen, wenn sie menschlich durchgeführt wird. Das Wort menschlich bezieht den Menschen als Bestandteil der Transformation mit ein. Ein rein wirtschaftliches Interesse schließt den Menschen aus. Bei einer menschlichen Digitalisierung steht der Mensch im Mittelpunkt. Durch gezielte Maßnahmen können Arbeitsplätze gehalten oder umgewandelt werden. Durch offene und ehrliche Kommunikation bekommen die Mitarbeiter einen Einblick in die Maßnahmen und werden mit in den Prozess eingebunden.

Ohne Menschlichkeit ist die Optimierung geglückt, aber das hart erarbeitete Wissen der scheidenden Mitarbeiter ist verloren. Lasst uns gemeinsam lieber die Digitalisierung menschlich gestalten.

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