Unsere Chance unsere Wirtschaft neu zu gestalten
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Unsere Chance unsere Wirtschaft neu zu gestalten

Wir stehen an einer Schwelle, an der es für uns alle ungemütlich wird. Seit Jahrzehnten befinden wir uns in einem wirtschaftlichen sicheren und gut wachsenden Umfeld. Bisher habe ich keine wirkliche Wirtschaftskrise miterlebt. Zugegeben kann ich mich an die Bankenkrise 2008 noch erinnern, aber diese Krise war doch nur eine kleine Bereinigung der damaligen Kurse. Das hat sich nun durch die „Corona-Krise“ geändert. Die Weltmärkte rauschten nach unten. Ich glaube wir haben ein Problem und zugleich die Chance unsere Welt neu zu gestalten.

Ich schreibe bereits zum vierten Mal einen Artikel über Corona ohne ihn bisher veröffentlicht zu haben, da ich weder der Krise noch den Verschwörungstheorien zu viel Aufmerksamkeit schenken will. Eine kurze Anmerkung zu beiden erlaube ich mir doch. Einerseits fehlt mir eine wahrhaftige Diskussion über das Virus, über alternative Verhaltensweisen, über alternative Möglichkeiten die Wirtschaft am Laufen zu halten, über einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Auf der anderen Seite kommen in letzter Zeit viele Theorien auf, in denen behauptet wird, unsere Gesellschaft wird von großen Unternehmern gelenkt, die ein wirtschaftliches Interesse verfolgen. Das ist nicht verkehrt – das war schon immer so, denn es gilt:

„Wer zahlt, entscheidet was wir essen.“

– Nico Stahlhut

Welche Chance wir jetzt haben

Mir liegt es jedoch am Herzen die Chance in der jetzigen Situation zu erkennen und zu nutzen. Derzeit befinden wir uns an der Schwelle der Durchhaltephase zur Durchstartphase (siehe Grafik). Die Durchhaltephase ist das Ergebnis des künstlich herbeigeführten Lockdowns. Wir haben unsere Wirtschaft bewusst heruntergefahren, um Gefahren für Leib und Leben zu minimieren. Dadurch musste die Wirtschaft eingeschränkt werden. Es bestehen keine Zweifel daran, dass Unternehmen diese Phase nicht überstehen und somit nicht an der Durchstartphase teilnehmen können. Aber es werden neue, junge und innovative Unternehmen gegründet, die unsere Wirtschaft nachhaltig verändern werden. Deshalb ist es Zeit darüber nachzudenken, wohin sich unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft entwickeln soll.

Die wirtschaftliche Situation unterteilt sich in verschiedene Phasen
derzeitige wirtschaftliche Situation (Quelle: eigene Zeichnung)

Es besteht kein Zweifel daran, dass ich technische Entwicklung und Innovation liebe. Mir ist unterdessen aber stets bewusst, dass wir die ethische und moralische Verpflichtung haben, Menschen als das an zu erkennen, was sie sind: Individuen mit Persönlichkeitsrechten. Wir haben die historische Chance unsere Gesellschaft und die Wirtschaft so nachhaltig zu verändern wie es zuletzt in den 1960ern der Fall war. Doch diese Chance will genutzt werden.

Transformationswillen von der heutigen Wirtschaft ist gering

Bereits vor dieser Krise befanden sich viele Unternehmen in einer Transformation. Dabei handelte es sich auch um große Unternehmen mit Bestandstechnologien wie beispielsweise die Automobilbranche. Nun gilt es jedoch den wirklichen Willen einer Transformation zu testen. Leider kommen aus der Automobilbranche die Wünsche nach einem Kaufanreiz nach dem Vorbild der Umweltprämie (Abwrackprämie) von 2009. Hierbei erfolgt ein Zuschuss aller Motorarten. Dabei haben wir nun die Möglichkeit die alten Technologien auslaufen zu lassen und auf neue, moderne und umweltfreundliche Technologien zu setzen. Das soll nicht bedeuten, dass wir ausschließlich auf Elektromobilität setzen, denn diese Entwicklung stellt nur einen Zwischenschritt zu einer noch nachhaltigeren Mobilität dar. Auch sind Themen wie Wasserstoff im Gespräch. Ob dies ein Modul in einer ultimativen Lösung unserer Mobilität darstellt, kann noch nicht beurteilt werden. Jedoch wünscht die Gesellschaft eine emissionsfreie, nachhaltige Wirtschaft. So haben wir nicht nur die Chance etwas neu anzupacken, sondern auch den Willen der Gesellschaft. Beides sollte uns dazu ermutigen neue Wege zu gehen.

Sollen wir neue Wege gehen oder lieber die alten?

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Albert Einstein

Das Beispiel der Automobilbranche zeigt, dass unsere Wirtschaft nicht bereit ist neue Wege zu gehen. Andererseits wächst der gesellschaftliche Druck auf die Wirtschaft und die Politik. Bereits 2019 prägte das Bild von „Fridays for Future“ die Bilder in den Medien und dem Jahresrückblick. Ebenfalls erschien das Wahlergebnis der Europäer die Politik zu überraschen. Europa entschied sich für eine grünere EU-Politik.

Wenn wir schon überlegen, wie wir unsere Wirtschaft in einer Durchstartphase neugestalten wollen, dann sollten wir diese Ereignisse berücksichtigen. Die Gesellschaft hat sich sichtbar gewandelt. Von den einst wirtschaftlich wachstumsorientierten Bürgern sind umweltbewusste Bürger geworden. Dieser Wechsel ist jedoch noch nicht in der Wirtschaft und in der Bundespolitik angekommen. Nun liegt es an uns Bürgern diese Chance wahrzunehmen und umzusetzen.

Wollen wir es zulassen die alte Wirtschaft wieder zu stärken oder wollen wir uns bewusst dagegen entscheiden und eine neue Wirtschaft und damit auch eine neue Gesellschaft prägen? Wir sollten unserem Wunsch nach einer nachhaltigeren Welt und einer sozialen Gesellschaft genau jetzt Nachdruck verleihen, denn wenn wir jetzt schnell und entschlossen handeln, haben wir die Chance die Welt zu unseren Gunsten zu verändern. Wir können Digitalisierung fördern und fordern, wir können die klimaneutrale Technik fördern und fordern, wir können einen wirtschaftlichen Wandel fordern. All das ist möglich, indem wir bewusst entscheiden wie wir Leben wollen, denn eine Abwrackprämie für Diesel-Fahrzeuge bringt nichts, wenn wir sie nicht nutzen.

Fazit

Während der aktuellen Phasen haben wir genug Zeit, um herauszufinden, was wir wirklich wollen. Das gilt sowohl für jeden einzelnen als auch für unsere Gesellschaft sowie für unsere Wirtschaft. Dabei steht im Wesentlichen die Frage „wie wollen wir unsere Wirtschaft wiederbeleben?“ im Vordergrund. Der Wandel von einer konventionellen zu einer nachhaltigen Wirtschaft wird von der Gesellschaft bereits gefordert.

In Deutschland muss über die Marktpositionierung in der Weltwirtschaft nachgedacht werden. Was kann im Ausland produziert werden und was müssen wir im Landesinneren produzieren, um nicht abhängig zu sein? Wollen wir uns Richtung Forschung und Entwicklung oder in Richtung Anwendung bewegen? Welche Technologien nehmen wir stärker in den Fokus? Werden wir zu einem innovativen Staat, der die Menschen respektiert und deswegen von anderen Nationen beachtet und angesehen wird oder entwickeln wir uns zu einer Datenkrake und Überwachungsstaat um mit anderen Weltwirtschaften mitzuhalten?

Wir haben als Gesellschaft die Aufgabe unsere Meinung zu präsentieren und die Chance die Wirtschaft nachhaltig zu verändern. Also krempeln wir die Ärmel hoch und verändern unsere Gesellschaft und Wirtschaft zum Guten. Denn gemeinsam können wir Digitalisierung und Innovation menschlich gestalten.

TLDR

  • Wir befinden uns in der Durchhaltephase
  • Wir können entscheiden, wie die Wirtschaft sich in der Durchstartphase verändern soll
  • Die Wirtschaft will keine wirklichen Transformationen
  • Die Gesellschaft fordert aber einen Wandel zu nachhaltiger Wirtschaft
  • Jeder einzelne kann mit seinem Kaufverhalten entscheidend an der Neuausrichtung der Wirtschaft teilhaben

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